Cash-Puffer in der Entnahmephase: Warum zwei Jahre Ausgaben das Depot retten
Ein Cash-Puffer in der Entnahmephase von zwei Jahren Ausgaben verhindert Notverkäufe im Crash. Wie du ihn dimensionierst, auffüllst und wo er liegt.
In der Ansparphase ist Cash ein Ärgernis. Es liegt herum, bringt kaum etwas und zieht die Rendite nach unten. In der Entnahmephase dreht sich das Bild: Dort ist Cash kein Ballast, sondern das Bauteil, das verhindert, dass du im falschen Moment verkaufst. Ein Cash-Puffer in der Entnahmephase, der zwei Jahre Ausgaben abdeckt, ist deshalb keine Vorsichtsmassnahme für Angsthasen, sondern die Voraussetzung dafür, dass eine Entnahmestrategie überhaupt durchhält.
Der Unterschied lässt sich in einer Zahl ausdrücken. Wer 600.000 Euro Depot hat und monatlich 2.000 Euro entnimmt, zahlt sich 24.000 Euro im Jahr aus. Fällt der Markt im selben Jahr um 30 Prozent, steht das Depot nach der Entnahme bei rund 396.000 Euro. Um wieder auf 600.000 zu kommen, braucht es von dort aus plus 51,5 Prozent. Ohne Puffer hast du im Tief verkauft, und dieser Verkauf ist dauerhaft, weil die verkauften Anteile später nicht mehr an der Erholung teilnehmen.
Genau hier setzt der Puffer an. Er übernimmt die Entnahmen in schwachen Phasen und lässt das Depot in Ruhe. Was das kostet, wie hoch der Puffer sein sollte und wo er liegt, kläre ich im Folgenden.
Warum Verkäufe im Abschwung teurer sind als die entgangene Rendite
Ein Depot, das nur wächst, verkraftet eine Krise gut. Ein Depot, das gleichzeitig Geld abgibt, verkraftet sie schlecht, und der Grund ist arithmetisch, nicht psychologisch. Die Entnahme trifft eine kleinere Basis, und die Basis erholt sich langsamer, als sie gefallen ist. Wer zwanzig Prozent verliert, braucht fünfundzwanzig Prozent, um wieder auf null zu kommen. Wer im Tief zusätzlich verkauft, verschiebt das Ziel weiter nach oben.
Die Reihenfolge der Renditen wird damit zum eigentlichen Risikofaktor, und das gilt auch dann, wenn der Durchschnitt über dreissig Jahre stimmt. Ein paar schlechte Jahre zu Beginn der Entnahmephase kosten mehr als dieselben Jahre am Ende. Wer dieses Muster im Detail nachlesen will, findet es in meiner Analyse dazu, wie die Reihenfolge der Renditen die Entnahme belastet.
Wie hoch der Cash-Puffer in der Entnahmephase sein sollte
Zwei Jahre Ausgaben sind ein brauchbarer Ausgangspunkt, aber kein Naturgesetz. Die sinnvolle Höhe hängt an drei Grössen: Entnahmerate, Restlaufzeit und der Frage, wie viel des Einkommens aus Dividenden statt aus Verkäufen kommt.
| Puffer | Deckt ab | Passt zu |
|---|---|---|
| 6 Monate | Ein kurzes Schlagloch | Entnahmerate unter 3 Prozent, zusätzliches Erwerbseinkommen |
| 12 Monate | Eine normale Korrektur | Entnahmerate 3 bis 4 Prozent, Dividenden decken die Hälfte |
| 24 Monate | Einen Bärenmarkt | Entnahmerate ab 4 Prozent, Einkommen vollständig aus dem Depot |
| 36 Monate | Mehrere schlechte Jahre | Sehr defensive Planung, hoher Kapitalerhalt im Fokus |
Bei 2.000 Euro monatlichem Bedarf bedeutet die Zeile mit 24 Monaten einen Puffer von 48.000 Euro. Das sind acht Prozent eines 600.000-Euro-Depots. Der investierte Rest von 552.000 Euro muss die 24.000 Euro Jahresentnahme erwirtschaften, was einer laufenden Anforderung von 4,35 Prozent entspricht.
Was der Puffer tatsächlich kostet
Der Puffer liegt auf einem Tagesgeldkonto oder in einem Geldmarkt-ETF, aktuell also irgendwo im Bereich von zwei bis drei Prozent. Angenommen, die 48.000 Euro bringen 2,5 Prozent, dann sind das 1.200 Euro im Jahr. Wären sie voll investiert und würden sechs Prozent Gesamtrendite erzielen, wären es 2.880 Euro. Die Differenz von 1.680 Euro entspricht 0,28 Prozent des Gesamtdepots.
Diese 0,28 Prozent sind der Preis für eine Versicherung, die genau in dem Szenario greift, in dem ein Fehler am teuersten wäre. Ich halte das für eine der günstigsten Absicherungen, die einem Privatanleger offenstehen, und ich würde sie auch dann halten, wenn der Zins auf Tagesgeld wieder bei null läge.
Nachschub regeln, bevor du ihn brauchst
Ein Puffer ist nur so gut wie die Regel, nach der er aufgefüllt wird. Ohne Regel passiert eines von zwei Dingen: Entweder wird der Puffer im Abschwung aus Aktien nachgefüllt, was den ganzen Zweck zerstört, oder er wird in guten Jahren für etwas anderes ausgegeben.
- Aufgefüllt wird nur aus Erträgen und Kursgewinnen, nicht durch Verkäufe in einem Markt, der unter dem letzten Höchststand liegt.
- Die Untergrenze liegt bei zwölf Monatsausgaben. Fällt der Puffer darunter, wird der nächste Zufluss aus Dividenden zuerst dorthin geleitet.
- Die Obergrenze liegt bei drei Jahren. Darüber hinaus wird das Geld investiert, sonst wächst der Puffer unbegrenzt.
- Entnommen wird immer aus dem Puffer. Erst wenn er leer ist, wird ein Anteil verkauft.
- Der Puffer wird nicht für Sonderausgaben, Nachkäufe oder Urlaube angefasst. Er hat genau eine Aufgabe.
Wer die Kaufkraft im Blick behalten will, sollte den Puffer jährlich an die gestiegenen Ausgaben anpassen. Dazu passt der Mechanismus, den ich beim Kaufkraftverlust in der Entnahmephase beschrieben habe: Steigen die Preise um drei Prozent, steigt auch die Entnahme um drei Prozent, und der Puffer muss mitwachsen.
Wo das Geld liegen sollte
Liquidität schlägt Rendite, und zwar in dieser Reihenfolge. Tagesgeld oder Geldmarktfonds sind erste Wahl, weil sie täglich verfügbar sind und kein Kursrisiko tragen. Kurzlaufende Staatsanleihen funktionieren ebenfalls, solange die Restlaufzeit unter zwei Jahren bleibt. Festgeld mit dreijähriger Bindung ist dagegen ungeeignet, denn es sperrt genau das Geld, das im Abschwung gebraucht wird.
Eine Stufung hilft, wenn der Puffer grösser wird. Ein Drittel täglich verfügbar, ein Drittel in dreimonatigem Geldmarktpapier, ein Drittel in einem Jahr fällig. So arbeitet das Kapital ein wenig, ohne an Verfügbarkeit zu verlieren. Auf keinen Fall gehört der Puffer in Aktien, in einen Dividenden-ETF oder in eine Position, die im gleichen Abschwung fällt wie das restliche Depot.
Wo der Puffer nicht hilft
Ein Puffer verschiebt das Problem, er löst es nicht. Bei einer Entnahmerate von fünf Prozent über dreissig Jahre reichen zwei Jahre Ausgaben nicht, um ein strukturell zu hohes Entnahmevolumen zu kaschieren. Der Puffer kauft Zeit, in der du die Entnahme senken oder die Rendite verbessern kannst. Nutzt du diese Zeit nicht, ist er nur eine Verzögerung.
Bei kleinen Depots ist der Ansatz ausserdem teuer. Wer 150.000 Euro angelegt hat und 6.000 Euro im Jahr entnimmt, bindet mit zwei Jahren Puffer acht Prozent des Vermögens in einer Anlage, die kaum Rendite bringt. Dort ist ein Sparplan, der die Entnahme zeitweise aus dem laufenden Einkommen deckt, häufig die bessere Lösung. Wer dagegen erst wissen will, welche Kapitalsumme sein Ziel überhaupt verlangt, sollte mit dieser Rechnung beginnen: Was 1.500 Euro im Monat an Kapital erfordern.
Buchempfehlung: Vom Vermögen zum Einkommen
Der Puffer ist nur ein Baustein eines grösseren Themas: Wie ein Vermögen in der Entnahmephase erhalten bleibt und trotzdem jeden Monat Geld abwirft. In Vom Vermögen zum Einkommen habe ich die Übergänge zwischen Anspar- und Entnahmephase, die Entnahmeregeln und die Frage, wann Kapitalerhalt wichtiger ist als Rendite, ausführlich behandelt.
Transparenzhinweis: Ich empfehle hier mein eigenes Buch.
Vom Vermögen zum Einkommen bei Amazon ansehen
Häufige Fragen zum Cash-Puffer in der Entnahmephase
Wie hoch sollte der Cash-Puffer in der Entnahmephase sein?
Für die meisten Privatanleger mit einer Entnahmerate zwischen drei und vier Prozent sind zwei Jahre Ausgaben ein sinnvoller Wert. Wer sein Einkommen vollständig aus dem Depot bezieht, kann auf drei Jahre gehen. Wichtig ist, dass der Puffer die Entnahme in einem schwachen Jahr vollständig übernimmt, sonst wird er zum Zufallsposten.
Kostet der Puffer nicht zu viel Rendite?
Er kostet, aber weniger als meist angenommen. Bei 48.000 Euro Puffer und einer Renditedifferenz von 3,5 Prozentpunkten liegt der Verzicht bei rund 1.700 Euro im Jahr, also knapp 0,3 Prozent des Gesamtdepots. Ein einziger erzwungener Verkauf im Tief kann ein Vielfaches davon kosten.
Wann fülle ich den Puffer wieder auf?
Immer aus laufenden Erträgen und nur dann, wenn der Markt sich erholt hat. Als Faustregel: Fällt der Puffer unter zwölf Monatsausgaben, gehen Dividenden und Ausschüttungen zuerst dorthin. Verkäufe zur Auffüllung sind im Abschwung tabu.
Dieser Beitrag ist meine persönliche Einschätzung und stellt keine Anlage- oder Steuerberatung dar. Er berücksichtigt weder deine persönliche Situation noch die steuerlichen Regeln deines Wohnsitzlandes. Prüfe jede Entscheidung mit deinen eigenen Zahlen oder mit einer fachkundigen Person.