Kapital für passives Einkommen: Was 1.500 Euro im Monat wirklich kosten
Kapital für passives Einkommen berechnen: Wie viel du mit Netto-Rendite, Steuern und Entnahmerate wirklich brauchst, samt Tabelle und Rechenbeispiel.
Wer ein monatliches Einkommen aus dem Depot plant, landet schnell bei einer einfachen Division: gewünschter Jahresbetrag geteilt durch die erwartete Rendite. Für 18.000 Euro im Jahr und fünf Prozent Rendite stehen so 360.000 Euro auf dem Zettel. Die Zahl ist nicht falsch, aber sie beantwortet eine andere Frage als die, die du stellst. Kapital für passives Einkommen hängt an der Netto-Rendite nach Steuern, an der Entnahmerate und an der Dauer, über die das Geld tragen soll. Wer diese drei Punkte einbezieht, rechnet mit anderen Grössen und plant dadurch ruhiger.
Die Faustformel und ihr blinder Fleck
18.000 Euro geteilt durch 0,05 ergibt 360.000 Euro. So weit, so einfach, und doch hakt es an einer Annahme: dass die fünf Prozent als Einkommen bei dir ankommen. Rendite entsteht im Depot, Einkommen entsteht auf dem Konto, und dazwischen liegt der Staat.
Dazu kommen zwei Punkte, die in keine Faustformel passen. Die Rendite schwankt, denn eine Rechnung mit einem festen Wert beschreibt kein einzelnes Jahr, sondern höchstens einen langfristigen Mittelwert. Und nirgends steht geschrieben, dass das Kapital erhalten bleiben muss, obwohl genau diese Frage darüber entscheidet, ob du 360.000 oder 600.000 brauchst.
Brutto-Rendite und Netto-Einkommen sind zwei verschiedene Zahlen
Nimm eine Ausschüttungsrendite von fünf Prozent. In Deutschland bleiben von 1.000 Euro Dividende nach Abgeltungssteuer und Solidaritätszuschlag rund 736 Euro übrig, also eine Netto-Rendite von etwa 3,7 Prozent. In Österreich sind 27,5 Prozent KESt fällig. In der Schweiz entscheidet die Herkunft der Dividende, wie viel zunächst abgezogen wird.
Quellensteuer kommt zuerst, erstattet wird später
Bei Schweizer Aktien behalten die Banken 35 Prozent Verrechnungssteuer ein. Zurück bekommst du sie über die Steuererklärung, was Monate dauert. In der Zwischenzeit fehlt ein Drittel der Ausschüttung. Auf US-Dividenden behalten US-Broker bei hinterlegtem W-8BEN in der Regel 15 Prozent ein, die restliche Belastung folgt über dein Wohnsitzland. Für die Planung heisst das: Rechne nicht mit der Bruttorendite, sondern mit der Summe, die im schwächsten Monat tatsächlich auf dem Konto war.
Kapital für passives Einkommen: die Rechnung, die trägt
Wie viel Kapital für passives Einkommen wirklich nötig ist, zeigt sich erst, wenn die Steuer abgezogen ist. Die folgende Tabelle unterstellt, dass du nur Ausschüttungen entnimmst und die Substanz unangetastet bleibt. Die Spalten zeigen, welches Kapital für einen monatlichen Netto-Betrag nötig ist, bei drei unterschiedlich optimistischen Netto-Renditen.
| Monatsbedarf netto | Jahresbedarf netto | 3,5 % netto | 4,5 % netto | 6,0 % netto |
|---|---|---|---|---|
| 1.000 € | 12.000 € | 343.000 € | 267.000 € | 200.000 € |
| 1.500 € | 18.000 € | 514.000 € | 400.000 € | 300.000 € |
| 2.000 € | 24.000 € | 686.000 € | 533.000 € | 400.000 € |
| 2.500 € | 30.000 € | 857.000 € | 667.000 € | 500.000 € |
| 3.000 € | 36.000 € | 1.029.000 € | 800.000 € | 600.000 € |
Wer die Spalte mit 3,5 Prozent netto für pessimistisch hält, sollte einmal überschlagen, welche Bruttorendite dahintersteckt: bei deutscher Abgeltungssteuer etwa 4,75 Prozent. Für ein breit gestreutes Ausschüttungsdepot ist das kein Ausreisser nach unten. Die Spalte mit sechs Prozent netto verlangt brutto über acht Prozent und damit Titel aus der Options-ETF- oder High-Yield-Ecke, in denen der Kapitalerhalt nicht garantiert ist.
Ein Rechenbeispiel mit runden Zahlen
400.000 Euro, vier Prozent Bruttorendite, deutscher Wohnsitz: 16.000 Euro Ausschüttung im Jahr, davon 11.780 Euro nach Steuern. Das sind 982 Euro monatlich. Um auf 1.500 Euro netto zu kommen, brauchst du bei dieser Rendite rund 610.000 Euro, also gut die Hälfte mehr, als die Faustformel aus dem ersten Absatz geliefert hätte.
Entnahmerate und Netto-Rendite auseinanderhalten
Zwei Begriffe tauchen in jeder Einkommensplanung auf und werden oft vermischt. Die Netto-Rendite sagt, was das Depot nach Steuern abwirft. Die Entnahmerate sagt, wie viel du pro Jahr entnimmst, gemessen am Kapitalstand.
Solange die Entnahme unter der Netto-Rendite liegt, wächst die Substanz. Liegt sie darüber, schmilzt sie leise. Wer fünf Prozent entnimmt, während netto 3,7 Prozent hereinkommen, verliert 1,3 Prozentpunkte Kapital pro Jahr. Auf 500.000 Euro sind das 6.500 Euro. Im ersten Jahr kaum zu spüren, nach einem schwachen Marktjahr ein Problem, weil dann Verkauf und Verlust zusammenfallen.
Warum die Reihenfolge der Jahre die Zielsumme verschiebt
Ein Depot, das im ersten Entnahmejahr zwanzig Prozent verliert und trotzdem auszahlen muss, verkauft Anteile im Tief. Dieselben Anteile fehlen später in der Erholung. Dass identische Jahresrenditen in unterschiedlicher Reihenfolge über ein Jahrzehnt einen Unterschied von mehr als 100.000 Euro erzeugen, habe ich in diesem Beitrag zum Sequence-of-Returns-Risiko durchgerechnet. Für die Zielsumme heisst das: Ein Liquiditätspuffer ist keine übervorsichtige Geste, sondern ersetzt einen Teil des Kapitals, das du sonst für denselben Einkommensstrom bräuchtest.
Was das nötige Kapital für passives Einkommen sonst noch verändert
Ein Anlagehorizont von zwanzig Jahren verlangt weniger Puffer als einer von vierzig, weil weniger Marktphasen zu überstehen sind. Die Taktung deiner Ausgaben entscheidet, wie viel Liquidität neben dem Depot liegen muss; wer monatliche Fixkosten deckt, braucht einen anderen Aufbau als jemand, der einmal im Jahr eine grössere Summe entnimmt. Kosten fressen Rendite, bevor der Staat ins Spiel kommt: eine TER von 0,5 statt 0,2 Prozent, Ordergebühren und Wechselkursspannen summieren sich über Jahrzehnte auf einen fünfstelligen Betrag. Und schliesslich der Inflationsschutz. Ein Einkommen, das nominal konstant bleibt, verliert real jedes Jahr an Wert, deshalb gehört die Zielsumme in heutiger Kaufkraft auf den Zettel.
Wie du deine eigene Zahl eingrenzt
Vier Rechenschritte genügen für eine belastbare Grössenordnung.
- Notiere deinen Monatsbedarf netto und multipliziere ihn mit zwölf.
- Setze eine Netto-Rendite an, die deine Steuersituation und deine Titelauswahl abbildet, nicht die Bestmarke aus einem guten Jahr.
- Teile den Jahresbedarf durch diese Rendite. Der Betrag, der herauskommt, ist der Ausgangspunkt, nicht das Ziel.
- Schlage einen Puffer von zwei bis drei Jahresausgaben hinzu und rechne alles noch einmal mit einem Prozentpunkt weniger Rendite.
Wenn die Lücke zur heutigen Depotgrösse gross ist, lautet die ehrliche Antwort meist: länger sparen, Bedarf senken oder die Entnahmephase später beginnen. Wer das Depot umbauen will, um näher an die Zielsumme zu kommen, findet die sinnvolle Reihenfolge dafür in diesem Leitfaden zum Depot-Umbau.
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Fazit
Das Kapital für passives Einkommen liegt höher als die Faustformel suggeriert. Nicht wegen eines Rechenfehlers, sondern weil Steuern, schwankende Ausschüttungen und ein möglicher Kapitalverzehr in der einfachen Division fehlen. Wer mit der Netto-Rendite rechnet, eine Entnahmerate unterhalb davon wählt und einen Liquiditätspuffer einplant, bekommt eine Zahl, die auch nach einem schwachen Jahrzehnt noch trägt. Das ist unspektakulärer als die grosse Summe aus dem Werbebanner und deutlich belastbarer.
Häufige Fragen zum Kapitalbedarf
Wie viel Kapital brauche ich für 2.000 Euro passives Einkommen im Monat? Bei 24.000 Euro Jahresbedarf und einer Netto-Rendite von 4,5 Prozent sind rund 533.000 Euro nötig. Bei 3,5 Prozent netto steigt der Betrag auf etwa 686.000 Euro. Die benötigte Summe hängt also stark von der Netto-Rendite ab, nicht nur vom Wunscheinkommen.
Zählt die Vier-Prozent-Regel auch für Dividenden-Depots? Die Vier-Prozent-Regel stammt aus der Portfolio-Entnahme und bezieht sich auf den Gesamtwert. Bei einem Ausschüttungsdepot ist die Netto-Rendite die entscheidende Grösse. Liegt sie über deiner Entnahmerate, bleibt die Substanz erhalten. Darunter beginnt der Kapitalverzehr, auch wenn die Ausschüttungen weiterlaufen.
Was passiert, wenn das Kapital nicht erhalten bleiben muss? Dann sinkt die nötige Summe, und die Entnahme darf über der Netto-Rendite liegen. Allerdings schrumpft das Depot dann Jahr für Jahr, und ein früher Marktrückschlag beschleunigt den Abbau. Wer diesen Weg plant, sollte die Restlaufzeit des Kapitals ausdrücklich mitrechnen.
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ist keine Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung. Er berücksichtigt keine individuellen Verhältnisse. Für Entscheidungen zu deinem eigenen Depot ziehe bitte eine fachkundige Beratung bei.