Positionsgrösse beim Optionsverkauf: Wie viel Kapital eine Prämienposition binden darf
Wie viel Kapital darf eine einzelne Optionsposition binden? Rechenbeispiele zu Positionsgrösse, Klumpenrisiko und Cash-Reserve beim Optionsverkauf.
Wer sechs verkaufte Puts im Depot hat und bei allen auf denselben Sektor setzt, besitzt keine sechs Positionen, sondern eine grosse. Genau dort scheitern die meisten Prämienstrategien, nicht an der Auswahl der Option, sondern an der Grösse. Die Positionsgrösse beim Optionsverkauf entscheidet darüber, ob ein Kursrutsch eine unangenehme Woche wird oder ein verlorenes Jahr.
Die Zahlen in diesem Beitrag sind Rechenbeispiele, keine Empfehlungen. Sie zeigen, wie sich Kapitalbindung, Verlustpotenzial und Diversifikation in einem Depot von 100.000 Franken zueinander verhalten, wenn Optionsprämien eine ernsthafte Einkommensquelle werden sollen.
Warum die Prämie die falsche Steuergrösse ist
Die meisten Anleger wählen ihre Optionsposition nach der Prämie. Vier Prozent auf sechs Wochen sieht besser aus als zwei Prozent, also wird die fettere Prämie verkauft. Das übersieht eine einfache Tatsache: Der Beitrag einer Position zum Depotergebnis ergibt sich aus Prämie mal Gewicht, nicht aus der Prämie allein.
Ein Beispiel. Eine Position mit zwei Prozent Prämie und zwanzig Prozent Depotanteil trägt 0,4 Prozent zum Depot bei, wenn sie verfällt, und kostet zwanzig Prozent Depot, wenn der Basiswert fällt. Dieselbe Prämie auf zwei Prozent Depotanteil trägt 0,04 Prozent bei, bindet aber nur zwei Prozent. Vier Zehntel Prozent Unterschied in der Einnahme, achtzehn Prozentpunkte Unterschied im Risiko. Trotzdem wird in der Praxis regelmässig die erste Variante gewählt, weil die Prämie auf dem Bildschirm steht und das Gewicht nicht.
Marginbedarf ist nicht Risiko
Broker zeigen für verkaufte Puts eine Sicherheitsleistung an, oft zwischen zwanzig und vierzig Prozent des Nominalwerts, in Portfoliomargin-Konten weniger. Diese Zahl wirkt beruhigend, weil sie klein ist. Sie beschreibt aber nur, wie viel Kapital die Bank blockiert, nicht, wie viel du verlieren kannst. Wie diese Sicherheitsleistung berechnet wird und warum sie je nach Broker und Strategie stark schwankt, steht in unserem Beitrag zur Sicherheitsleistung beim Optionsverkauf. Für die Positionsgrösse ist sie eine Nebengrösse.
Die relevante Zahl ist der Nominalwert: Strike mal einhundert mal Anzahl Kontrakte. Ein Put mit Strike 50 auf zweihundert Aktien hat einen Nominalwert von 10.000 Dollar, unabhängig davon, ob der Broker 2.000 oder 4.000 Dollar als Margin verlangt. Fällt der Basiswert auf null, ist der Nominalwert der maximale Verlust, nicht die Margin.
Rechenbeispiel: 100.000 Franken und fünf verkaufte Puts
Nehmen wir ein Depot von 100.000 Franken, fünf Positionen mit je zwei Kontrakten, Strike 50 Dollar. Der Frankenkurs liegt der Einfachheit halber bei 0,88 pro Dollar.
| Kennzahl | Wert |
|---|---|
| Depot | 100.000 CHF |
| Nominalwert pro Position | ca. 8.800 CHF |
| Nominalwert aller fünf Positionen | ca. 44.000 CHF |
| Gebundene Sicherheitsleistung bei 30 Prozent | ca. 13.200 CHF |
| Eingenommene Prämien bei zwei Prozent | ca. 880 CHF |
| Verlust bei 30 Prozent Kursrückgang auf alle fünf | ca. 13.200 CHF abzüglich Prämien |
Auf den ersten Blick sieht das harmlos aus. Dreizehn Prozent Nominalwert, dreizehn Prozent Sicherheitsleistung, ein Verlust von dreizehn Prozent im Extremfall. Der Haken liegt in der Annahme, dass alle fünf Basiswerte gleichzeitig dreissig Prozent verlieren. Das ist kein Extremfall, sondern der Normalfall einer Korrelationswette im Abschwung.
Woher die 44.000 Franken kommen
Zwei Kontrakte mit Strike 50 entsprechen dem Recht, zweihundert Aktien zu 50 Dollar zu kaufen. Das sind 10.000 Dollar Verpflichtung, also rund 8.800 Franken. Fünf solche Positionen summieren sich auf 44.000 Franken. Wer nach Margin rechnet, sieht 13.200 Franken gebunden und hält das Depot für zu neunzig Prozent in Cash. Tatsächlich sind über vierzig Prozent des Depots an Aktienkursrisiko gebunden, und bei einem breiten Einbruch wird die Zuweisung fällig.
Korrelation schlägt Stückzahl
Fünf verkaufte Puts auf fünf Ölwerte sind eine Ölwette mit fünffachem Volumen. Die Stückzahl suggeriert Streuung, der gemeinsame Risikofaktor hebt sie wieder auf. Dasselbe gilt für fünf Bankaktien, fünf REITs im gleichen Segment oder fünf Halbleiterwerte.
Für die Praxis heisst das: Die Grenze verläuft nicht zwischen Positionen, sondern zwischen Risikofaktoren. Zwei Positionen pro Sektor sind meist schon eine Wette auf den Sektor. Wer zusätzlich einen Index-Put verkauft, addiert keine Diversifikation, sondern eine zweite Ebene derselben Marktrichtung, weil im Index dieselben Schwergewichte stecken.
Ich halte die Sektorquote für wichtiger als die Einzelpositionsgrenze. Ein Depot, in dem keine Position über fünf Prozent Nominalwert kommt, aber alle Positionen im gleichen Sektor liegen, ist riskanter als eines mit zehn Prozent pro Position in vier unabhängigen Branchen.
Wie viele Positionen ein Depot verträgt
Aus dem Rechenbeispiel lassen sich brauchbare Grenzen ableiten. Sie sind Erfahrungswerte, keine Formel.
- Nominalwert aller offenen Positionen zusammen unter etwa sechzig Prozent des Depots halten, damit für die Zuweisung Cash übrig bleibt.
- Pro Position höchstens fünf Prozent Depotanteil an Verlustpotenzial einplanen, nicht an Margin.
- Pro Sektor höchstens zwei bis drei Positionen, über alle Laufzeiten hinweg gezählt.
- Die Summe der eingenommenen Prämien ist kein Erfolgsmassstab, solange ungenutzte Kapitalbindung daneben steht.
Diese Grenzen engen ein. Genau das ist ihr Zweck. Eine Prämienstrategie verdient ihr Geld mit Wiederholung, nicht mit dem einzelnen grossen Trade, und eine Position, die den Jahresertrag in einer Woche auslöscht, macht die Wiederholung unmöglich.
Der Fall, der die Rechnung kippt
Angenommen, drei der fünf Puts liegen gleichzeitig tief im Geld. Die Zuweisung verlangt 26.400 Franken, das Depot hat aber nur einen Teil davon als freies Cash, weil der Rest in bereits gehaltenen Aktien steckt. Dann bleiben zwei Möglichkeiten: Aktien mit Verlust verkaufen oder die Positionen mit Verlust schliessen. Beide Wege zerstören den Vorteil, den die Prämien über Monate aufgebaut haben.
Deshalb gehört zur Positionsgrösse immer die Frage, wie viele der offenen Verpflichtungen gleichzeitig bedient werden könnten. Wer diese Zahl nicht kennt, hat keine Grösse, sondern eine Hoffnung.
Positionsgrösse beim Optionsverkauf anpassen
Wenn das Depot wächst, wachsen die absoluten Positionsgrössen mit, sonst sinkt der Risikoanteil schleichend. Umgekehrt gilt: Nach einer Verlustserie steigt die Versuchung, die Positionsgrösse zu erhöhen, um die Verluste schneller zurückzuholen. Das ist der zuverlässigste Weg, aus einem Rückschlag einen Ausfall zu machen.
Sinnvoller ist eine feste Quote mit einer Obergrenze in absoluten Beträgen. Wenn das Depot um zwanzig Prozent fällt, sinkt die Positionsgrösse automatisch mit, weil die Quote am aktuellen Depotwert hängt und nicht am Stand vor dem Einbruch.
Grenzen dieser Rechnung
Die Nominalwert-Betrachtung bildet den Verlustfall ab, nicht den Normalfall. Das ist unbequem und bewusst so gewählt. Sie hat aber zwei Schwächen. Erstens ignoriert sie den Zeitwert: Ein Put mit drei Monaten Laufzeit und Delta 0,3 hat ein erheblich kleineres realistisches Verlustpotenzial als der Nominalwert suggeriert. Zweitens lässt sie sich nicht sauber auf Index-Puts übertragen, weil dort die Streuung im Basiswert selbst steckt.
Bei Puts mit niedrigem Delta und kurzer Laufzeit ist die Nominalwert-Grenze deshalb streng. Wer damit arbeitet, verkauft weniger als möglich. Wer nur nach Margin geht, verkauft mehr als vertretbar. Der Mittelweg liegt in der Kombination: Nominalwert als Deckel, Delta und Laufzeit als Feinsteuerung.
Häufige Fragen zur Positionsgrösse beim Optionsverkauf
Wie viel Prozent des Depots darf eine verkaufte Put-Position binden?
Als Nominalwert gemessen sind fünf Prozent pro Position ein defensiver Startpunkt. Bei Basiswerten mit hoher Volatilität und langen Laufzeiten eher drei Prozent. Die Sicherheitsleistung ist dabei nicht der richtige Vergleichswert, weil sie je nach Broker nur einen Bruchteil des Verlustpotenzials abbildet.
Zählt ein Cash-Secured Put anders als ein Put auf Margin?
Ja. Ein cash-secured Put bindet den vollen Nominalwert in Cash, dafür ist die Zuweisung jederzeit bezahlbar. Wer den Put auf Margin verkauft, muss dieselbe Summe nicht vorhalten und kann deshalb mehr Positionen eingehen, als das Depot tragen würde. Die Positionsgrösse sollte in beiden Fällen am Nominalwert gemessen werden, nicht an der hinterlegten Sicherheit.
Was tun, wenn eine Position durch Kursverfall zu gross geworden ist?
Dann ist die Zuweisungswahrscheinlichkeit bereits gestiegen und ein Rollen verteuert sich. Sinnvoll ist, die Position zu schliessen und den Verlust zu realisieren, bevor die Aktie übernommen werden muss. Wer den Verlust vermeidet und stattdessen nach unten rollt, verlagert das Risiko in die Zukunft und vergrössert regelmässig die Bindung. Wie ein Rollen im Einzelfall funktioniert, steht in unserem Beitrag zur Frage, was passiert, wenn ein verkaufter Call im Geld ist.
Buchempfehlung: Das Geheimnis der Stillhalter
Wer Optionsprämien als Einkommensquelle aufbauen will, braucht zuerst eine Vorstellung davon, wie viel Kapital eine einzelne Position binden darf. Das Buch erklärt den Verkauf von Puts und Calls Schritt für Schritt, vom Aufbau der Position über die Wahl des Strikes bis zum Umgang mit Zuweisungen, und ordnet das Ganze in ein Depot ein, das auch einen schlechten Monat übersteht. Es ist der Rahmen, in dem die hier gezeigte Rechnung erst Sinn ergibt.
Transparenzhinweis: Ich empfehle hier mein eigenes Buch.
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Wer die Mechanik zuerst an einer einzigen Position üben will, findet die Abfolge von Put und Call in unserem Beitrag zur Wheel-Strategie.
Dieser Beitrag ist keine Anlage- oder Steuerberatung. Er beschreibt Rechenwege und Risiken, keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung für bestimmte Wertpapiere.