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Sicherheitsleistung beim Optionsverkauf: Wie viel Kapital ein verkaufter Put bindet

Sicherheitsleistung beim Optionsverkauf: Wie viel Kapital ein verkaufter Put bindet, wie Broker rechnen und wie du Nachschüsse im Depot vermeidest.

Die Sicherheitsleistung beim Optionsverkauf taucht in kaum einer Anleitung auf. Prämie, Delta und Verfallsdatum stehen überall, die blockierte Kaufkraft selten. Dabei entscheidet sie darüber, ob eine Stillhalter-Strategie im Depot etwas abwirft oder nur Arbeit macht.

Ein verkaufter Put auf eine Aktie zu 185 Dollar bringt vielleicht 300 Dollar Prämie. Die Depotbank legt dafür aber ein Vielfaches an Kaufkraft still, und zwar so lange, bis die Position geschlossen ist oder verfällt. Wer zwanzig solcher Kontrakte nebeneinander hält, merkt schnell, dass die Sicherheitsleistung das eigentliche Portfoliolimit ist, nicht das Risikobewusstsein.

Warum die Sicherheitsleistung beim Optionsverkauf mehr zählt als die Prämie

Beim Optionskauf ist die Sache einfach. Du zahlst die Prämie, danach kann nichts mehr nachkommen. Beim Verkauf dreht sich die Logik um. Du nimmst Geld ein und übernimmst dafür die Verpflichtung, pro Kontrakt 100 Aktien zu einem festen Strike zu liefern oder abzunehmen. Die Bank will wissen, womit du diese Verpflichtung abdeckst.

Zwei Wege sind möglich. Vollständige Deckung heißt, das Kapital liegt vollständig bereit, bei einem verkauften Put also Strike mal 100. Der zweite Weg ist eine Sicherheitsleistung, ein Teilbetrag, der als Margin hinterlegt wird. Das erlaubt größere Positionen, kostet aber Flexibilität, weil die Forderung der Bank mit fallenden Kursen wächst. Wie die vollständig gedeckte Variante gerechnet wird, steht in Cash Secured Put einfach erklärt.

Genau hier trennt sich die Rechnung. Wer die Rendite auf das gebundene Kapital ausrechnet, sieht Cash-Secured-Positionen plötzlich mit anderen Augen als auf der Broker-Maske. Ich rechne bei jedem Verkauf zuerst die Sicherheitsleistung, danach die Prämie, und bin damit bisher besser gefahren als mit dem umgekehrten Vorgehen.

Wie die Referenzformel rechnet

Für ungedeckte Optionen gibt es in den USA eine Formel (FINRA Rule 4210), die als Maßstab taugt, weil sich viele Broker daran orientieren. Sie nimmt den größeren von zwei Werten und addiert die Prämie:

  • Zweig A: 20 Prozent des Kurses des Basiswerts, minus den Betrag, um den die Option aus dem Geld liegt
  • Zweig B: 10 Prozent des Kurses beim Call, 10 Prozent des Strikes beim Put

Die Prämie kommt bei beiden Zweigen obendrauf, weil sie dem Konto gutgeschrieben wird. Interessant ist, welcher Zweig wann greift. Zweig A bestraft Positionen nahe am Kurs, Zweig B setzt eine Untergrenze, damit auch weit aus dem Geld verkaufte Optionen etwas kosten.

Derselbe Put, drei Strikes

Aktie notiert bei 185 Dollar, verkauft wird jeweils ein Put mit einem Monat Laufzeit. Die Beträge gelten pro Kontrakt, also mal 100.

Strike Prämie Zweig A Zweig B Sicherheitsleistung Vollständige Deckung
185 6,50 37,00 18,50 4.350 18.500
175 3,00 27,00 17,50 3.000 17.500
160 1,20 12,00 16,00 1.720 16.000

Beim Strike 160 bindet die Untergrenze. Zweig A ergäbe nur 12,00 pro Aktie, Zweig B fordert 16,00. Ein Teil der Sicherheit verschwindet also nicht mehr, egal wie weit du aus dem Geld gehst. Wichtiger als dieser Effekt ist die zweite Spalte von rechts. Zwischen dem 185er und dem 175er Put liegen 40 Prozent mehr hinterlegtes Kapital, obwohl die Prämie nur um die Hälfte sinkt. Die Rendite auf das gebundene Kapital verrät dir, ob das Geschäft trägt, die Prämienhöhe allein nicht, wie in Wie hoch sollte die Optionsprämie sein? nachgerechnet wird.

Was ein Call zusätzlich kostet

Ein gedeckter Call ist der angenehme Fall. Die Sicherheit sind die 100 Aktien selbst, eine zusätzliche Margin fällt nicht an, sehr wohl aber die Kapitalbindung: 185 mal 100 macht 18.500 Dollar, die im Depot liegen müssen. Diese Aktien reagieren auf Kursverluste voll mit, und wenn der Call ausgeübt wird, muss die Lieferung tatsächlich klappen.

Ein ungedeckter Call ist die teuerste Variante, weil das Risiko nach oben offen ist. Die Formel verlangt beim Call 20 Prozent des Kurses minus den Aus-dem-Geld-Betrag, mindestens aber 10 Prozent des Kurses, jeweils plus Prämie. Viele Broker erlauben das nur mit einer hohen Freigabestufe und einem Haus-Minimum im Depot, das deutlich über der Formel liegt. Für Privatanleger ist diese Variante kein Einkommensbaustein, sondern eine offene Wette, die sich mit Einkommenslogik nicht begründen lässt.

Die Sicherheitsleistung wächst, während du wartest

Die Formel rechnet mit dem aktuellen Kurs, nicht mit dem Kurs vom Tag des Verkaufs. Bleiben wir beim 175er Put auf die Aktie zu 185 Dollar: 30 Dollar pro Aktie Sicherheit, also 3.000 Dollar. Fällt die Aktie auf 175 Dollar, verlangt Zweig A 20 Prozent von 175, also 35 Dollar pro Aktie, plus Prämie. Die Forderung steigt auf rund 3.800 Dollar, während die Position im Minus steht, und der Broker rechnet diese Zahl jeden Tag neu.

Wer eine einzelne Position hält, merkt davon wenig. Ein Depot mit sechs oder acht offenen Puts in Kursnähe kann in einer schwachen Woche deutlich mehr Margin verlangen, und die Nachschussforderung trifft selten auf freies Cash. Genau dieses Risiko macht Cash Secured Puts bei Einsteigern beliebt: Das Kapital liegt bereits, es kann nichts nachkommen. Der Preis dafür ist die niedrigere Rendite auf das eingesetzte Geld.

Ich halte die vollständige Deckung für die ehrlichere Rechnung, auch wenn sie auf dem Papier schwächer aussieht. Wer einen Put mit Strike 90 für 300 Dollar Prämie cash secured verkauft, bindet 9.000 Dollar und macht nach Kosten gut drei Prozent. Auf Margin sind es aus 1.150 Dollar Sicherheit rund 26 Prozent, bis der Kurs 15 Prozent fällt und der größte Teil des Gewinns weg ist. Die zweite Zahl ist nur dann besser, wenn du weißt, was du aushältst.

Ein verwandter Effekt zeigt sich bei Prämien, die aus Kurssprüngen bezahlt werden. Was dort an Sicherheit und Risiko zusammenkommt, beschreibt der Beitrag zu Optionsverkauf vor Earnings.

Wo Deutschland, Österreich und die Schweiz abweichen

Die US-Formel ist Referenz, nicht Gesetz in DACH. Viele europäische Broker verlangen für stillgehaltene Positionen 100 Prozent Deckung oder deutlich höhere Haus-Sätze. Ein Blick in die Margin-Unterlagen des eigenen Anbieters bringt hier mehr als jede Faustregel.

Ein paar Punkte, die in der Praxis regelmäßig überraschen:

  • Portfolio Margin gibt es bei manchen Brokern erst ab einem hohen Depotwert. Interactive Brokers verlangt 110.000 Dollar zum Einstieg und 100.000 Dollar zum Erhalt, darunter sind margenerhöhende Trades gesperrt.
  • Portfolio Margin gilt dort nicht für europäische Basiswerte. Aktien und Optionen aus Zürich oder Frankfurt werden wieder nach der Standardmethode gerechnet, der Hebelvorteil verschwindet damit bei vielen DACH-Werten.
  • Die Sicherheitsleistung läuft in der Währung des Basiswerts. Ein Franken-Depot mit US-Puts muss also Dollar stellen, und bei einem schwachen Franken kann die Bank zu einem unpassenden Zeitpunkt umbuchen.
  • Rechnet der Broker den Nachschuss nicht täglich, sondern nur nach Ereignissen, schützt das nicht vor Verlusten, es verschiebt den Ärger nach hinten.

Wer sich die Sicherheitsleistung beim Optionsverkauf leisten kann

Die brauchbarste Regel, die ich kenne, dreht sich um den Gesamtanteil: Die Sicherheitsleistung aller offenen Positionen sollte ein Viertel des Depotwerts nicht dauerhaft übersteigen, und auch dann muss der Rest des Depots einen Kursrückgang von 20 Prozent verkraften, ohne dass du verkaufen musst. Ein Beispiel: 50.000 Dollar Depot, sechs Puts auf eine Aktie zu 100 mit Strike 90 und 1,50 Prämie, jeweils 1.150 Dollar Sicherheit. Das sind 6.900 Dollar, rund 14 Prozent des Depots. Klingt entspannt, bis man aufschreibt, dass alle sechs Kontrakte dasselbe Unternehmen betreffen und im gleichen Marktumfeld unter Druck kommen.

Diversifikation über Basiswerte ist deshalb keine Stilfrage. Wer Puts auf zwei oder drei Aktien und zusätzlich einen Index verkauft, verringert das Kursrisiko und die Wahrscheinlichkeit, dass alle Nachschüsse am gleichen Tag fällig werden. Umgekehrt wird eine verkaufte Put-Position häufig zu früh geschlossen, weil keine freie Liquidität mehr da ist, obwohl die Rechnung weiterhin stimmt.

Häufige Fragen zur Sicherheitsleistung

Brauche ich für einen gedeckten Call eine Sicherheitsleistung? Nein, die Sicherheit sind die 100 Aktien je Kontrakt. Sie müssen im Depot liegen, dann ist die Option gedeckt. Eine zusätzliche Margin verlangt der Broker nicht, die Kapitalbindung bleibt aber dieselbe, als würdest du die Aktien ohne Optionsverkauf halten.

Warum steigt meine Sicherheitsleistung, obwohl ich keine neue Position eröffnet habe? Weil die Formel täglich mit dem aktuellen Kurs rechnet. Sinkt der Kurs des Basiswerts, wächst Zweig A der Rechnung, und bei einem Put in Kursnähe steigt die Anforderung fast im Gleichschritt mit dem Buchverlust. Ein neuer Verkauf ist dafür nicht nötig.

Gilt die Formel auch bei einem deutschen oder schweizerischen Broker? Sie dient vielen Brokern als Referenz, verbindlich ist jedoch die Rechnung deines eigenen Anbieters. Manche Häuser verlangen volle Deckung, andere liegen über der Formel, und Portfolio Margin steht für europäische Basiswerte oft gar nicht zur Verfügung. Frage schriftlich nach dem Satz für ungedeckte Puts, bevor du die erste Position eröffnest.

Fazit

Die Sicherheitsleistung ist der eigentliche Preis des Optionsverkaufs. Eine Prämie von 300 Dollar auf einen Kontrakt mit 3.000 Dollar Hinterlegung ist ein Geschäft, dieselbe Prämie auf 9.000 Dollar gebundenes Kapital ein anderes. Wer diese Zahl vor dem Verkauf aufschreibt, trifft die meisten Entscheidungen von selbst richtig, von der Laufzeit bis zur Frage, wie viele Positionen gleichzeitig ins Depot gehören. Der Fehler liegt selten in der Optionsstrategie, sondern in der Menge.

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Der Verkauf von Optionen als laufende Einkommensquelle, von der Wahl des Strikes bis zur Frage, wie viel Kapital eine Strategie binden darf: Genau darum geht es in Das Geheimnis der Stillhalter bei Amazon ansehen. Die Kapitel zu Sicherheiten und Risikomanagement fallen in den meisten Prämienvergleichen weg, dabei entscheiden sie darüber, ob eine Strategie durchhält.

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Dieser Beitrag ist keine Anlage- oder Steuerberatung. Zahlen und Regelwerke dienen der Illustration, können sich ändern und gelten je nach Broker und Rechtsraum unterschiedlich. Prüfe die Bedingungen deines Anbieters, bevor du eine Position eingehst.

Über den Autor: Marc Arndt

Finanzenthusiast und passionierter Verfechter der Dividendenstrategie. Teilt sein Wissen, um anderen den Weg zur finanziellen Unabhängigkeit im DACH-Raum zu erleichtern.