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Iron Condor: Wie du mit vier Optionen auf eine Seitwärtsbewegung setzt

Iron Condor: Wie du mit vier Optionen auf eine Seitwärtsbewegung setzt, Prämien kassierst und dein Risiko von Anfang an sauber begrenzt hältst.

Ein Iron Condor ist eine Optionsstrategie, bei der du vier Kontrakte gleichzeitig handelst und auf eines setzt: dass der Kurs bis zum Verfallstag in einer Spanne bleibt. Wer einen Iron Condor aufsetzt, verkauft zwei Optionen in der Nähe des aktuellen Kurses und kauft zwei weitere, die deutlich weiter aussen liegen. Die verkauften Kontrakte bringen die Prämie, die gekauften begrenzen den Schaden, wenn der Markt doch ausbricht. Heraus kommt ein Geschäft mit festem Maximalverlust; im schlechtesten Fall weisst du beim Einstieg genau, was dich das kostet.

Das klingt nach einem Freifahrtschein. Ist es keiner. Der Iron Condor verwandelt einen Teil deiner Prämie in eine Versicherung, und diese Versicherung kostet Rendite. Ob sich das rechnet, hängt an zwei Fragen: Wie teuer sind die Optionen gerade, und wie weit läuft der Basiswert bis zum Verfall?

Wie ein Iron Condor aufgebaut ist

Ein Iron Condor besteht aus zwei vertikalen Spreads auf denselben Verfallstag. Unten liegt ein Put-Spread, oben ein Call-Spread. Zusammen bilden sie eine Spanne, in deren Mitte der aktuelle Kurs sitzt.

Die vier Beine

Verkauft wird ein Put mit einem Strike unterhalb des Kurses. Gekauft wird ein Put mit tieferem Strike, der die Verluste nach unten deckelt. Oben läuft es spiegelbildlich: verkaufter Call über dem Kurs, gekaufter Call mit noch höherem Strike.

Der gekaufte Flügel macht aus einem theoretisch offenen Risiko eine feste Grösse. Deshalb verlangt der Broker für einen Iron Condor deutlich weniger Sicherheitsleistung als für einen einzelnen verkauften Call. Wie viel Kapital ein nackter Optionsverkauf bindet, habe ich in Sicherheitsleistung beim Optionsverkauf: Wie viel Kapital ein verkaufter Put bindet nachgerechnet.

Wie weit die Strikes auseinanderliegen sollten

Die verkauften Strikes sollten weit genug vom Kurs weg liegen, damit die Deltas klein bleiben. Ein Delta zwischen 0,15 und 0,20 je Seite ist eine gängige Ausgangslage. Kleineres Delta bedeutet höhere Trefferquote und kleinere Prämie, grösseres Delta dreht beides um. Der Abstand zwischen verkauftem und gekauftem Strike bestimmt dagegen den Maximalverlust: Je breiter der Flügel, desto grösser die Rechnung im Ernstfall.

Ein durchgerechnetes Beispiel

Nehmen wir eine Aktie bei 100,00 US-Dollar, Verfall in 30 Tagen, implizite Volatilität um 30 Prozent. Der Kondor könnte so aussehen:

Bein Strike Prämie Delta
Put verkauft 94 0,62 -0,17
Put gekauft 90 0,28 -0,08
Call verkauft 106 0,58 +0,18
Call gekauft 110 0,26 +0,09

Die Gutschrift beträgt 0,34 Dollar aus dem Put-Spread plus 0,32 Dollar aus dem Call-Spread, zusammen 0,66 Dollar je Aktie oder 66 Dollar pro Kontrakt. Jeder Flügel ist 4,00 Dollar breit. Daraus folgt ein Maximalverlust von 4,00 minus 0,66, also 3,34 Dollar je Aktie und 334 Dollar pro Kontrakt.

Die Gewinnzone reicht von 93,34 bis 106,66. Verfällt die Aktie innerhalb dieser Spanne, werden alle vier Optionen wertlos und die Gutschrift bleibt vollständig stehen. Bezogen auf das gebundene Risiko sind das rund 20 Prozent in 30 Tagen. Diese Zahl gilt nur, wenn der Kurs brav in der Spanne bleibt, und sie schrumpft mit jeder Gebühr. Rechnet dein Broker 2,50 Dollar je Bein, bleiben von den 66 Dollar noch 56 übrig, die Rendite fällt auf knapp 17 Prozent. Bei 10 Dollar je Bein kippt die Rechnung ins Uninteressante.

Wann die Strategie passt

Der Iron Condor lebt von hoher impliziter Volatilität. Stehen die Prämien fett, weil der Markt nervös ist, wird der Puffer zwischen Kurs und verkauften Strikes breiter. Wie beim einfachen Optionsverkauf arbeitet auch hier die Zeit für dich: Jeder Tag ohne grössere Bewegung frisst ein Stück Zeitwert aus den verkauften Beinen, beschrieben in Zeitwertverfall bei Optionsverkäufern.

Was nicht passt, sind Termine. Ein Quartalsbericht oder eine Übernahmemeldung innerhalb der Laufzeit verwandelt den ruhigen Kondor in eine Wette auf den Ausbruch. Wer das Gap-Risiko nicht ohnehin eingepreist hat, lässt diesen Zyklus aus und wartet auf die nächste Runde.

Wo die Rechnung schiefgeht

Pin-Risiko am Verfallstag

Kurz vor dem Verfall entscheidet sich, welche Strikes im Geld landen. Steht die Aktie hauchdünn am verkauften Strike, kann nach Handelsschluss eine Zuweisung passieren, die du nicht mehr steuerst. Aus dem begrenzten Konstrukt wird über Nacht eine Aktienposition. Wer das vermeiden will, schliesst den Trade vor dem letzten Handelstag oder rollt ihn.

Frühzeitige Ausübung auf der Call-Seite

Steht vor dem Ex-Tag eine hohe Dividende an und ist der verkaufte Call im Geld, wird er gern vorzeitig ausgeübt, weil der Halter die Dividende kassieren möchte. Was dann zu tun ist, steht in Early Assignment bei Dividenden.

Liquidität und Gebühren

Optionen mit dünnem Handel kosten beim Einstieg und beim Ausstieg. Vier Beine, vier Spreads, und in der Mitte sitzt dein Gewinn. Ein Kondor auf einen illiquiden Einzelwert frisst die Prämie schon beim Eröffnen.

Anpassungen sind kein Freibrief

Wer den Trade reparieren will, indem er einen Flügel weiter nach aussen rollt, zahlt jedes Mal Prämie und Gebühren. Aus einem 66-Dollar-Geschäft kann so eine Serie mit negativem Erwartungswert werden.

Für wen sich das eignet

Der Iron Condor passt zu Anlegern, die bereits Erfahrung mit vertikalen Spreads haben und ihr Einkommen breiter aufstellen wollen, statt sich auf ein einziges Kursniveau festzulegen. Er passt nicht zu Depots, in denen die Aktie aus Überzeugung gehalten wird und ein Ausbruch nach oben willkommen ist. Mein eigener Vorbehalt: Ein Kondor ist ein Handelsgeschäft, kein Einkommensbaustein. Er liefert Prämie, aber keine Dividende, und er ist auf Dauer nicht die Grundlage eines Depots. Ich setze ihn ergänzend ein, wenn die Volatilität stimmt, nicht als Dauerposition.

Häufige Fragen zum Iron Condor

Wie hoch ist die Trefferwahrscheinlichkeit? Sie hängt an den gewählten Strikes. Mit Deltas um 0,15 bis 0,20 auf beiden Seiten landen rein statistisch etwa zwei Drittel bis drei Viertel der Fälle in der Gewinnzone. Das ist keine Zusage für deinen einzelnen Trade, nur der Ausgangspunkt der Kalkulation.

Kann ich den Iron Condor vor dem Verfallstag schliessen? Ja, und in der Praxis ist das üblich. Viele Stillhalter kaufen den Kondor zurück, sobald ein Teil der Gutschrift gesichert ist, statt auf den Rest zu warten. Das kostet etwas Prämie, spart aber das Risiko der letzten Tage.

Was passiert, wenn ich zugewiesen werde? Auf der Put-Seite landen Aktien im Depot, auf der Call-Seite wirst du sie los. Der gekaufte Flügel deckt dabei nicht automatisch ab, er schützt nur gegen grössere Bewegungen. Wer Zuweisung vermeiden will, schliesst oder rollt den Trade vorher.

Buchempfehlung: Das Geheimnis der Stillhalter

Wer die Stillhaltergeschäfte systematisch betreiben will, bekommt in Das Geheimnis der Stillhalter bei Amazon ansehen den Rahmen für Einstieg, Auswahl der Strikes und Risikomanagement. Der Iron Condor ist dort einer von mehreren Bausteinen, und das Buch macht klar, welche Grösse ein solcher Trade im Verhältnis zum Depot haben sollte.

Transparenzhinweis: Ich empfehle hier mein eigenes Buch.

Dieser Beitrag ist keine Anlage- oder Steuerberatung. Er beschreibt eine Strategie und deren Mechanik, keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung für ein bestimmtes Wertpapier. Optionen können zu Verlusten bis zur Höhe des eingegangenen Risikos führen; handle nur mit Kapital, dessen Verlust du verkraftest.

Über den Autor: Marc Arndt

Finanzenthusiast und passionierter Verfechter der Dividendenstrategie. Teilt sein Wissen, um anderen den Weg zur finanziellen Unabhängigkeit im DACH-Raum zu erleichtern.