Collar-Strategie: Wie du Aktien mit Put und Call absicherst, ohne sie zu verkaufen
Collar-Strategie: So sicherst du eine Aktienposition mit Put und Call gegen Kursverluste ab, und so rechnest du Kosten, Deckel und Risiko nach.
Eine Collar-Strategie sichert eine Aktienposition mit zwei Optionen ab: Du kaufst einen Put und verkaufst gleichzeitig einen Call auf dieselbe Aktie. Den Put brauchst du als Boden gegen Kursverluste, den Call verkaufst du, um ihn zu bezahlen. Wer eine grosse Einzelposition hält und sie nicht einfach verkaufen will, bekommt damit einen planbaren Korridor statt eines offenen Kursrisikos.
Ich habe den Collar jahrelang für eine reine Sache von Fonds gehalten. Institutionelle nutzen ihn tatsächlich oft, weil sie Millionenpositionen nicht innert Tagesfrist abstossen können, ohne den Kurs selbst zu drücken. Für Privatanleger stellt sich eine andere Frage: Rechtfertigt der Schutz die aufgegebenen Kurschancen?
Was eine Collar-Strategie genau ist
Ein Collar besteht aus drei Bausteinen, die zusammen ein Ganzes ergeben. Du hältst die Aktie, du kaufst einen Put mit Strike unter dem aktuellen Kurs und du verkaufst einen Call mit Strike darüber. Beide Optionen haben denselben Verfallstermin, meist drei bis zwölf Monate in der Zukunft.
Die Prämie des verkauften Calls fliesst dir sofort zu und deckt einen Teil oder die gesamte Prämie des gekauften Puts. Ist die Deckung vollständig, spricht man von einem Nullkosten-Collar. Das klingt nach einem Geschenk. Es ist keines, denn du bezahlst nicht mit Geld, sondern mit Kurschancen.
Unterhalb des Put-Strikes bist du geschützt. Fällt die Aktie tiefer, gewinnt dein Put an Wert und gleicht den Verlust aus. Oberhalb des Call-Strikes ist dein Gewinn gedeckelt, weil der Käufer des Calls liefern lassen kann. Zwischen beiden Strikes passiert wenig, und in dieser Zone verbringt eine Aktie die meiste Zeit.
Wer beide Legs einzeln betrachtet, kennt die Bausteine bereits. Der Covered Call ist der Verkauf eines Calls gegen gehaltene Aktien, der Cash-Secured Put die andere Seite desselben Denkens. Der Collar setzt beide zusammen.
Ein Rechenbeispiel
Nehmen wir eine Aktie bei 100 Franken. Du kaufst einen Put mit Strike 90 für 4 Franken Prämie und verkaufst einen Call mit Strike 110 für 3.50 Franken. Die Netto-Prämie, die du zahlst, beträgt 50 Rappen pro Aktie, also 0.5 Prozent. Beide Optionen laufen in sechs Monaten aus.
| Position | Strike | Zahlungsstrom pro Aktie |
|---|---|---|
| Aktie kaufen | 100.00 | -100.00 |
| Put kaufen | 90.00 | -4.00 |
| Call verkaufen | 110.00 | +3.50 |
| Netto-Einsatz | -100.50 |
Was folgt daraus? Fällt die Aktie auf 60, greift dein Put: Du kannst zu 90 verkaufen und begrenzt den Verlust auf 10.50 pro Aktie. Ohne Absicherung wären es 40 gewesen. Steigt die Aktie auf 130, wirst du zu 110 beliefert und machst 9.50 gut. Ohne Call hättest du 30 verdient. Der Collar hat dir in diesem Szenario 20.50 an Kursgewinn gekostet.
Diese Zahlen sind konstruiert, keine echten Optionskurse. Prämien hängen an der impliziten Volatilität, an der Restlaufzeit und an der Liquidität der Serie. Bei einem Volatilitätsschub werden Puts teurer, Calls ebenfalls, und die Rechnung verschiebt sich. Ein Collar mit denselben Strikes kann in ruhigen Märkten günstig und in nervösen Märkten deutlich teurer sein.
Was der Collar wirklich kostet
Der sichtbare Preis ist die Netto-Prämie. Der eigentliche Preis ist der Deckel. Über die Haltedauer kann er erheblich mehr ausmachen als die paar Rappen Prämie, gerade bei Aktien mit langfristigem Wachstum.
Dazu kommen Kosten, die in Beispielrechnungen gern fehlen. Die Geld-Brief-Spanne bei weniger gehandelten Serien kann mehrere Prozent des Optionswerts ausmachen. Wird der Call vorzeitig ausgeübt, muss geliefert werden, und das passiert häufiger kurz vor einem Ex-Tag mit hoher Dividende. Wie du dich in diesem Fall verhältst, steht im Beitrag zu Early Assignment bei Dividenden.
Der zeitliche Faktor ist der zweite versteckte Kostenpunkt. Der Schutz gilt nur bis zum Verfall. Danach beginnt die Rechnung von vorn. Wer seinen Collar über zehn Jahre jedes Halbjahr erneuert, zahlt in Summe einen relevanten Betrag für eine Absicherung, die in jeder einzelnen Periode nur begrenzt gewirkt hat.
Wann ein Collar sinnvoll ist
Ein Collar passt zu einer konzentrierten Position, die du aus guten Gründen nicht verkaufen willst, etwa wegen Sperrfristen bei Mitarbeiteraktien oder wegen eines Buchgewinns, dessen Realisierung dir nicht passt. Hier ersetzt der Collar den Verkauf, und der Verzicht auf Kurschancen ist der Preis dafür.
Sinnvoll ist er auch bei einem absehbaren Ereignis. Steht eine Wahl oder ein Zinsentscheid an und du willst die Position durch dieses Fenster tragen, deckt ein kurzer Collar genau diesen Zeitraum ab. Die Kosten bleiben überschaubar, weil die Laufzeit kurz ist.
Für ein Depot, das im Aufbau ist und Dividenden wieder anlegt, passt der Collar dagegen schlecht. Dort brauchst du die Kurschancen, und die Deckelung trifft dich genau dort, wo sie am meisten weh tut. Eine Absicherung, die deine beste Position ausbremst, ist selten die richtige Antwort.
Die Risiken, die oft unter den Tisch fallen
Der maximale Verlust ist definiert, aber nicht klein. Im Beispiel verlierst du 10.5 Prozent, wenn die Aktie unter 90 fällt. Der Put schützt gegen den Absturz unter den Strike, nicht gegen einen Kursrückgang bis dorthin.
Der verkaufte Call bindet die Aktie als Deckung. Verkaufst du sie vorzeitig, steht der Call offen und du musst ihn zurückkaufen, möglicherweise teurer als die erhaltene Prämie. Ein Verkauf mitten in der Laufzeit ist also nicht mehr frei.
Und schliesslich die emotionale Seite. Ein Collar fühlt sich in einem fallenden Markt wunderbar an. In einem starken Aufwärtstrend fühlt er sich wie ein Fehler an, weil du dem Markt beim Steigen zusiehst und nicht mitverdienst. Das führt dazu, dass viele Anleger genau dann aussteigen, wenn die Absicherung am nötigsten wäre.
Für wen die Collar-Strategie passt
Ein Anleger, der bereits über ein Vermögen verfügt und dessen Ziel Kapitalerhalt statt Maximierung heisst, kann mit einem Collar gut schlafen. Wer dagegen noch dreissig Jahre Anlagehorizont vor sich hat, sollte sich fragen, wovor er sich eigentlich schützt: vor dem Markt oder vor dem eigenen Nervenkitzel?
Bevor du einen Collar aufsetzt, schreib auf, ab welchem Kurs du den Boden brauchst und ab welchem Kurs der Deckel weh tut. Wenn diese beiden Zahlen so weit auseinanderliegen, dass die Prämie unbezahlbar wird, passt die Strategie für deine Position nicht.
Häufige Fragen zur Collar-Strategie
Wie hoch ist der maximale Verlust bei einer Collar-Strategie? Der maximale Verlust entspricht dem Abstand zwischen Netto-Einsatz und Put-Strike. Im Beispiel sind das 10.50 pro Aktie, wenn die Aktie unter 90 fällt. Der Verlust ist damit begrenzt, aber vorhanden.
Was passiert, wenn die Aktie über den Call-Strike steigt? Deine Aktie kann zu 110 geliefert werden, und du realisierst den gedeckelten Gewinn. Alternativ rollst du den Call: Du kaufst ihn zurück und verkaufst einen neuen mit höherem Strike und späterer Laufzeit. Rollen kostet erneut Prämie und verschiebt den Deckel nur nach oben, hebt ihn nicht auf.
Muss ich den Collar bis zum Verfall halten? Nein. Du kannst beide Optionen jederzeit schliessen, einzeln oder zusammen. Jede Transaktion kostet die Spanne, deshalb ist häufiges Umschichten teuer.
Wer sich mit dem Verhalten von Prämien rund um Ereignisse noch nicht auskennt, findet im Beitrag zum Optionsverkauf vor Earnings die passenden Beispiele. Wer die Mechanik einmal verstanden hat, sieht schneller, wann sie gegen ihn arbeitet.
Ich habe Collars auf Schweizer Blue Chips durchgerechnet und bin zu einem nüchternen Ergebnis gekommen: Als kurzfristiger Schutz um ein Ereignis herum funktionieren sie. Als Dauerlösung über Jahre kosten sie mehr, als die meisten Anleger erwarten.
Buchempfehlung: Das Geheimnis der Stillhalter
Wenn du Prämien systematisch als Einkommensquelle nutzen willst, statt sie nur als Absicherung zu kaufen, erklärt das Buch die Kalkulation hinter Put und Call in einer Tiefe, die eine Kurzeinführung nicht leisten kann. Es zeigt, wie du Prämien bewertest, deine Absicherung rechnest und Verluste begrenzt.
Transparenzhinweis: Ich empfehle hier mein eigenes Buch.
Das Geheimnis der Stillhalter bei Amazon ansehen
Dieser Beitrag ist meine persönliche Einschätzung und stellt weder eine Anlageberatung noch eine Steuerberatung dar. Optionsgeschäfte bergen erhebliche Risiken und sind nicht für jeden Anleger geeignet.